Saturday, October 14, 2006

Die Schöne, die Hure und Venedig

Am Sonntag, dem 1. Oktober, war es so weit! Endlich raus aus Beijing. Wir, eine lustige Truppe aus einer Dänin, einer Aachenerin und vier Aachenern machten uns auf den Weg zum Flughafen, um nach Shanghai zu fliegen.



Shanghai - Die Hure des Orients

In Shanghai kamen wir in einer günstigen und sehr sauberen Jugendherbge unter. Von dort begannen wir unsere Erkundungstouren in die Megacity (entweder per Taxi über zum Teil 3 stöckige Highways oder mit der Metro). Nan Jing Road, the Bund, Old Street und Yuan Garden, Pudong, eine Transrapidfahrt ... alles wurde abgeklappert. Natürlich sind wir auch nachts aktiv gewesen. An unserem zweiten Abend waren wir in einem Shanghaier edel House Club (vorher habe ich im nahe gelegenen Style McDonalds das beschissenste Klo ever gesehen … im Vergleich dazu waren die Sch****häuser aus „From Dusk till Dawn“ und „Trainspotting“ absoluter Sch****dreck) und am Abend vor unserer Abfahrt nach Suzhou haben wir eine nette Salsa Bar besucht.

(hier gibt es viele viele bunte Fotos)

Nun ist es so, dass Shanghai gar nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten hat! Genau genommen, hat man nach 2 Tagen zumindest die Hauptattraktionen abgegrast. Um das Nachtleben richtig ausgiebig zu testen, waren die 2 Tage natürlich nicht ausreichend. Da könnte man durchaus Monate mit vergeuden. Da wir allerdings nur 5 Tage zur Verfügung hatten, beschlossen wir, am 3. Tag weiter nach Suzhou zu reisen.



Suzhou - Das Venedig des Ostens

Also machten wir uns am Morgen in Shanghai auf zum Bahnhof um dort Tickets nach Suzhou zu besorgen. Da unsere 5 Tages Tour während der National Hollidays stattfand und in jener Woche so ziemlich jeder Chinese unterwegs ist um sein Land zu erkunden, konnten wir leider nur Tickets für den frühen Nachmittag bekommen. Also erst einmal am Bahnhof rumgelungert, noch etwas Essen gegangen und dann in einen jener Megazüge gestiegen (das Mega bezieht sich auf die Länge, auch wird in China wie am Flughafen geboardet, sprich, in größeren Städten steht der Zug mal mindestens eine halbe Stunde, in der man in aller Seelenruhe irgendwann zusteigen kann). Am späten Nachmittag erreichten wir dann Suzhou. Da es schon auf halb 6 zu ging und viele Sehenswürdigkeiten bereits um 6 schließen sollten, sind wir vom Bahnhof, die unendlich vielen Bettler ignorierend im Eiltempo mit dem Taxi zur Nord-Tempel-Pagode. Dort wie die Japaner hoch und wieder hinunter gestürmt, schnell ein paar Fotos gemacht und weiter zum "Garten des Meisters der Netze".

Da wir uns nun einmal im Venedig des Ostens befanden, bis zu jenem Zeitpunkt allerdings nur den einen oder anderen Kanal gesehen hatten, wollten wir nun endlich einen typischen Suzhou Kanal finden. Naiv wie wir waren, dachten wir, wenn wir einfach nur ein wenig laufen, müssen wir früher oder später auf einen romantischen Kanal stoßen. Als wir merkten, dass dies ein Trugschluss war, erbaten wir uns Hilfe von Chinesinnen. Diese zeigten uns auch freundlicherweise noch den Weg zum nächsten Internetcafe, von wo aus wir die Zimmer für die erst Nacht in Hangzhou buchen sollten (na ja, zumindest dachten wir, das Ding sei geritzt, dazu aber später mehr). Dann wieder ins Taxi und auf zu einem echt wunderschönen Kanal! Die Häuser waren richtig alt, viele Bars und Restaurants und alles wurde durch die Beleuchtung in eine atemberaubende Atmosphäre versetzt! Leider konnten wir dort unsere Seele nur kurz baumeln lassen, denn gegen 23 Uhr mussten wir wieder am Bahnhof sein, um den Zug nach Hangzhou zu besteigen.

(hier gibt es viele viele bunte Fotos)



Hangzhou - Die Schöne

Weiter ging es dann also in die Stadt, über die Marco Polo berichtete, sie sei die schönste Stadt der Welt (ist aber ja auch schon ein paar Jährchen her, als er dort gewesen ist)! Und auch ein chinesisches Sprichwort sagt: Im Himmel gibt es das Paradies und auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou! Aber zuerst mussten wir auch dort hingelangen, also schnell noch ein Bierchen gekauft und ab in den Zug.

Dort konnten wir dann unseren Augen nicht trauen. Nicht nur, das ein gerupftes Geflügel unser Fahrtbegleiter war, zu allem Überfluss war das Abteil auch noch proppe voll und wir hatten keine reservierten Sitzplätze wie auf der Hinfahrt! Außerdem gingen wir fest davon aus, dass wir auf direktem Weg nach Hangzhou fahren würden, wir sind aber zuerst zurück nach Shanghai (ab da hatten wir dann wenigsten wieder Sitzplätze) gefahren. Letzter Irrtum sorgte auch dafür, dass wir dann auch nicht etwa 2 Stunden für die 160 km Luftlinie zwischen Suzhou und Hangzhou benötigten, sondern gute 6 Stunden für die dann tatsächlich vielleicht 350 km unterwegs waren.


Der nächste Schock kam dann in der Jugendherberge in Hanghzou. Man hatte uns doch keine Zimmer reserviert und es waren nur noch 3 Betten in einem Jungenzimmer frei. Tja, die Mädels und Danio mussten dann erst einmal Vorlieb mit der Lobbycouch nehmen, bis sie dann gegen halb acht ihr Bett beziehen konnten (wir kamen auch nur unwesentlich früher in ein richtiges Bett, so gegen 6 Uhr). Dann wurde erst mal bis 11 geschlafen, chinesisch gebrunched und danach haben Markus (mein Mitbewohner an der Tsinghua) und ich erst mal noch administrative Sachen für die Rückfahrt erledigt und wollten uns dann eigentlich am Westlake mit dem Rest der Truppe treffen. Ich bin dann allerdings wieder an einem Fotomotiv hängen geblieben, während Markus einfach weitergelaufen ist, tja, und da mein Handyguthaben aufgebraucht war und ich die anderen nicht finden konnte, war ich dann erst mal alleine in Hangzhou. Die nächsten 2 Stunden verbracht ich dann damit, Handyguthaben zu besorgen, was die reinste Odyssee war, wollte eine Fahrradtour starten was im nächsten Dilemma endete! Irgendwie schien das niedliche chinesische Rädchen nicht für europäische Muskelkraft ausgelegt gewesen zu sein und so habe ich das Kettenrad halt mal kaltverformt. Kostet ja alles nix, aber hatte dann die Schnauze gestrichen voll und bin einfach ein wenig am See entlang geschlendert, habe Fotos gemacht und wurde dann von einem Chinesen gebeten, mit der kleinen Tochter ein wenig Englisch zu üben. Der freundliche Mensch wollte mir auch anschließend helfen, meine deutschen Reisebegleiter wieder zu finden, allerdings können Chinesen nun einmal keine Karten lesen und aus diesem Grunde bin ich erst einmal in die falsche Richtung gelaufen, bis mir das ganze doch zu spanisch vorkam. Die Orientierung wieder gewonnen bin ich dann am frühen Abend in einem Oktoberfestzelt auf die anderen gestoßen.

Danach ging es dann in eine alte Straße in das alte Teehaus in Hangzhou. Aber sehet selber, wie es dort zugeht!


Am späten Abend sind wir dann noch in eine richtig gute Jazzkneipe gegangen und haben uns von Sugarmama aus New Orleans und ihrer Band köstlich Unterhalten lassen.
Am nächsten Vormittag sind Daniel, Markus und ich dann noch zur "Pagode of the Sixt Sence" gefahren, hatten aber keine Lust Eintritt zu zahlen und sind aus diesem Grunde auf einen der umliegenden Hügel gestiegen. Gegen 12 uhr mittags mussten wir dann auch schon wieder am Bahnhof sein um zurück nach Shanghai zu fahren. Dort hatten wir noch genug Zeit in "Pappas Bierstube" all you can Schnitzel zu machen, um dann am Abend 再见 (zai jian= auf Wiedersehen) Shanghai zu sagen und zurück nach Beijing zu fliegen!

(hier gibt es viele viele bunte Fotos)